Thursday, July 13, 2017

BITTE NICHT LÄCHELN

Foto: Sandra Semburg



Vor zwei Jahren kam Véronique Tristram aus New York nach München, um die Modeleitung der Glamour zu übernehmen. Ihren auffällig lässigen Stil findet man auf vielen Streetstyle-Blogs, die Französin ist selbst ein beliebtes Ziel der Fotografen. Wir treffen sie in einem Hotelzimmer in Berlin, wo sie sorgfältig ihre Schuhe zuerst in Staubbeutel und dann in den Weekender verstaut. Sie trägt Jeans, eine schwarze Lederbluse und Slip-ons, betont aber, dass für den Rückflug nach München ein schickeres Outfit geplant ist: Gleich nach dem Gespräch schlüpft sie in ihre Soft Ballerina Pumps von Céline – und teilt ihren Look sofort mit ihren 9.000 Followern auf Instagram.


Frau Tristram, Ihre Brille ist Ihr Markenzeichen. Müssen Sie Ihre Looks darauf abstimmen?
Es gibt Sachen, die ich nicht machen darf, wie zum Beispiel große Ohrringe tragen. Abends denke ich mir dann oft: Ach scheiße, ich muss ja diese Brille tragen. Würde ich sie weglassen, würde ich gar nichts sehen und bräuchte jemanden, der mich führt und mir alles vorliest (lacht).

Was ist für Sie guter Stil?
Guter Stil ist eigen, aber vielleicht lässt sich das besser dadurch definieren, was guter Stil nicht ist: zum Beispiel, Leute zu kopieren. Außerdem ist es kein guter Stil, Complete-Looks zu tragen oder Sachen anzuziehen, die einem nicht stehen, nur weil sie gerade in Mode sind. Schrecklich sind auch zu kleine Größen oder zu viel zu offenbaren. Man sollte sich entscheiden, welches Körperteil man zeigen möchte: entweder das Dekolleté, die Beine oder die Taille. Zu sexy ist kein guter Stil. Wahrscheinlich ist overdressed auch nicht gut, aber ich muss gestehen, dass ich das oft mache, denn es gibt nichts Schrecklicheres als Langeweile.

In modisch versierten Kreisen wird hauptsächlich Schwarz getragen - woher kommt diese Vorliebe Ihrer Meinung nach?
Ich finde, dass sich das sehr geändert hat! In den 90er-Jahren war eine Moderedakteurin immer von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet, aber das ist jetzt nicht mehr so. Damals lag das daran, dass in den 80ern die Japaner und in den 90ern die Belgier sehr prägend waren. Und die waren nicht gerade farbenfroh. Wenn ich meine Kolleginnen jetzt ansehe, dann tragen sehr wenige von ihnen Schwarz. Wenn Stylistinnen keine Mode tragen und Mode bedeutet Farbe wer soll es dann tragen, frage ich mich?

Hat Stil ein Alter?
Das weiß ich leider nicht. Ich bin selbst nicht mehr die Jüngste, aber wenn im Sommer meine Beine leicht braun sind, trage ich gerne kurz – und frage mich dann übrigens auch, wie lange ich das noch machen kann und ob es ab einem gewissen Punkt lächerlich wird. Ich würde sagen, das Gesicht entscheidet, was man noch tragen kann. Man darf ganz einfach nicht versuchen, sich jünger zu geben als man ist, denn das geht meistens nach hinten los.

Braucht man viel Geld, um einen guten Stil zu haben?
Jein. Man kann einiges bei Zara finden, die kopieren sowieso alles: Gucci, Valentino und bestimmt auch Balenciaga, insofern muss man nicht reich sein, um Stil zu haben. Trotzdem würde ich immer darauf achten, gute Schuhe zu tragen. Bei billigen Schuhen hört es für mich auf.

Haben Sie eine Stylingregel?
Wie gesagt: gute Schuhe! Und ich versuche, meine Looks immer zu brechen. Wenn man zum Beispiel einen Bleistiftrock anzieht, kann man wie eine Sekretärin aussehen – oder ihn rockig stylen á la Carine Roitfeld. Röcke oder Kleider, die sehr kurz sind, würde ich auch nicht mit hohen Schuhen kombinieren, sondern entweder sportlich oder edgy tragen. Kurz und sexy geht auf keinen Fall.

Sie sind sehr präsent auf Instagram und werden von vielen Streetstyle-Fotografen fotografiert, dabei fällt auf, dass Sie nie lachen. Warum?
Nicht zu lächeln ist eine Art, seine Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten. Im normalen Leben bin ich sehr fröhlich, aber auf Fotos zu lächeln, geht bei mir leider immer total daneben.

Lassen Sie sich gern Mode schenken oder geht das auch meistens daneben?
Ich mag es lieber, mir die Sachen selbst zu kaufen. Mir wird auch einiges geschenkt, aber ich trage nicht alles. Manchmal trage ich es einmal und lasse mich damit fotografieren -–aus Höflichkeit den Leuten gegenüber. Besser ist es aber, mich zu fragen, was ich gern hätte. Zum Beispiel die grünen Prada-Schuhe, die es gerade bei MyTheresa gibt (lacht).

Was machen Sie mit der Kleidung, die Sie nur selten tragen?
Ich habe eine 25-jährige Tochter. Und die trägt gern meine Sachen. Dann bleibt es in der Familie.


Dieser Artikel erschien im WERK VI im Juli 2017

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