Tuesday, December 1, 2015

KUNST AM SKATEBOARD

Photo by F on Unsplash



Seit 2003 führen Christine Altmanninger und Birgit Hammerschmid den „Skatshop Hammerschmid“ in Gmunden, Oberösterreich. Neben Modelabels wie Circa, Volcom, Ès und Nitro, die viele Skater tragen, führt der Laden auch Skateboards. Nun wollen die beiden Schwestern die Skaterkultur und die bildende Kunst miteinander kombinieren - und dabei auch noch Gutes tun. „Wir wollten etwas mehr frischen Wind nach Gmunden bringen“, so die Beiden. Der Gedanke, die Welt der Kunst mit der des Skateboardings zu vereinen, war schon lange in den Köpfen der Schwestern, lediglich der Beweggrund fehlte. Bei einem Arztbesuch vor zwei Jahren las Christine dann zufällig einen Artikel in einer Zeitschrift über den Verein SOLWODI, eine Menschenrechts- und Hilfsorganisation, die sich für Frauen in Notsituationen einsetzt. „Als Mutter und liberale Bürgerin war ich schlichtweg schockiert, dass Sklavenhandel tatsächlich noch existiert. Es gibt Lager, in denen Mädchen bis zur Gefügigkeit vergewaltigt werden. Mädchen, die auch Töchter sind, vielleicht sogar von der eigenen Mutter verkauft wurden. Da muss einfach laut gesagt werden, dass es keine Menschen zweiter Klasse gibt.“ sagt Christine und ist erschüttert. SOLWODI steht für „Solidarity with women in distress“ und wurde 1985 von Sr. Dr. Lea Ackermann in Kenia gegründet. Mittlerweile setzt sich die Organisation auch in Deutschland, Österreich und Rumänien für die Stellung von Frauen ein, die in ihren Heimatländern in eine große Notlage geraten sind, die u.a. in der unfreiwilligen Prostitution endet. 2010 wurde der Ableger in Österreich gegründet. Es wurde eine Wohnung in Wien zum Schutze der Frauen und Kinder gekauft in der momentan 14 Betroffene betreut werden. Zu den Hauptaufgaben des Vereins zählt die Hilfe für betroffene Frauen und die Öffentlichkeitsarbeit, um das Thema überhaupt Publik zu machen. „Freiheit ist ein sehr wichtiges Gut. Wenn wir in unserer westlichen Gesellschaft mit den vorgegebenen Regeln spielen tun wir das in einem geschützten Bereich. Wir sind uns unserer Freiheit sicher. Sehr viele Menschen haben diese Sicherheit aber nicht und darauf möchten wir aufmerksam machen“, sagt Christine, die in Gmunden geboren und aufgewachsen ist. Das von den beiden Schwestern initiierte Benefizprojekt „Kunst am Skateboard“ möchte ein Zeichen gegen den Frauenhandel setzen und beschäftigt sich mit Skateboarding und Kunst. Dafür wurden 50 blanke Skateboarddecks vom Skateshop Hammerschmid unterschiedlichen Künstlern zum Gestalten zur Verfügung gestellt. Im Frühling 2016 werden die Skateboards dann in Gmunden am Traunsee ausgestellt und verkauft. Der Gesamterlös geht an den Verein SOLWODI. „Beim Skateboarden sowie in der Kunst macht man etwas aus Leidenschaft und nimmt oft in Kauf, dass man für sein Tun wenig Anerkennung bekommt, denn dafür sieht es für Außenstehende zu leicht aus. Gerade diese Leichtigkeit verlangt nach Disziplin und Durchhaltevermögen. Skateboarder und Künstler wollen frei sein von klassischen Rollenbildern, schließlich sind Skateboarder nicht im Sportverein organisiert und Künstler malen keine Bilder für Jedermanns Wohnzimmer“, beschreibt Christine Altmanninger ihren persönlichen Zusammenhang zwischen Kunst und Skateboarding. Die bisherigen Reaktionen auf das Projekt sind durchwegs positiv. Sofort waren Skateboarder, die gleichzeitig auch Künstler sind, dabei - wie zum Beispiel Chrisitee von Stilladen und Lily Klebernik aus Wien und Alex Schulz aus Stuttgart. „Unsere Künstler haben die verschiedensten Hintergründe, deshalb kann man sie auch nur schwer miteinander vergleichen. Aber das macht den besonderen Reiz des Projektes aus. Was sie vereint ist, dass sie sich engagieren und sich der gleichen Herausforderung gestellt haben: aus einem neutralen Stück Holz etwas Eigenes zu machen.“ sagt Christine. Die amerikanische Künstlerin Karen Zierler hat dabei eine sehr christlich-religiöse Herangehensweise. „Ich habe selbst als junge Frau schon einmal eine gewalttätige Situation miterlebt. Auch deshalb verstehe ich, wie wichtig es ist, die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken. Frauen leiden heutzutage vielmehr als im 20. Jahrhundert unter Unterwerfung, Ausbeutung und Manipulation durch die Medien. An einer Lösung und einem Sicherheitsnetz zu arbeiten, ist also von großer Bedeutung. Bei der Arbeit an meinem Skateboard wurde ich von der Heiligen Maria Magdalena inspiriert. Eine Frau, die durch die Geschichte unzählige Male missverstanden wurde“, sagt Ziegler die Ölmalerei an der San Juan Capistrano School of Art studierte und lernte, wie man mit dem Palettenmesser umgeht. Birgit Hammerschmid und Christine Altmanninger freuen sich über die bisherigen Ergebnisse für ihr Wohltätigkeitsprojekts: „Wir sind von jedem Deck begeistert, weil es einfach spannend ist, wie viele verschiedene Antworten es auf die Frage „Was bedeutet Freiheit für dich?“ gibt. “ Ab dem 25. April 2016 werden die Kunst-Skateboards dann an der Esplanade in Gmunden in hochwertigen Glaskästen im Rahmen einer Outdoor-Vernissage ausgestellt. Jedes ist für 150,- Euro erhältlich und der Gesamterlös soll dabei helfen, die Welt ein wenig besser zu machen. 


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